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Statt Rosen für die Liebsten, gibt’s Schokoeis für mich 1024 614 WESENsBande

Statt Rosen für die Liebsten, gibt’s Schokoeis für mich

Oder warum das »warum nicht« die wichtigere Frage ist

Eigentlich ist zum 14.02. schon alles gesagt: Von den kämpferischen Singels, der antikapitalistischen »Linken«, den liebenden Pärchen und von der Werbeindustrie und Hollywood so wie so. Warum sich also noch Gedanken über diesen Tag machen?

Weil wir einfach nicht drum herum kommen. Nicht in irgendwelchen Medien, nicht auf der Straße und schon gar nicht beim Einkaufen. Eher unbewusst habe ich mich in diesem Jahr nicht von rosa Herzen und verliebten Hetero-Paaren auf Plakaten beirren lassen und bis zum letzten Wochenende alles ausblenden können. Doch gerade in den vergangenen Tagen wurde die ganze Situation etwas aufdringlicher. Die Süßigkeitenecke in jedem Supermarkt ist mit passender Werbung in den Eingangsbereich gerutscht, in meiner Instagram-Timeline werden äußerst gezielt Annoncen platziert und selbst im Buchladen meines Vertrauens falle ich fast wortwörtlich über den Tisch mit den »schönsten Liebesgeschichten«. Die Drohung mir einen neuen Buchladen zu suchen, habe ich bisher noch nicht umgesetzt.

Dieses Nicht-Entkommen hat mich dann doch zum Nachdenken angeregt, wie ich aus dem ganzen Kram etwas für mich rausziehen kann.

Wesen auf Zeichentisch

Mein (romantisches) Liebesleben sieht zur Zeit eher trist aus. Doch damit lass ich mich nicht gleich in die Kategorie »einsame, passiv-aggressive Singels, die Aufmerksamkeit brauchen, wenn sie über den 14.2. haten« packen. Zwar bin ich durchaus passiv-aggressiv, doch nicht einsam. Zwar bin ich Single, doch nicht deshalb von einem Feste der Liebe angenervt. Viel mehr stört mich die alljährliche Verherrlichung von monogamer heterosexistischer Partnerschaft, weil dadurch immer wieder Normen gesetzt werden und alle anderen romantischen und_oder sexuellen Beziehungen, die nicht in das Schema passen, wieder einmal unsichtbar gemacht werden. Natürlich stören mich die damit re_produzierten Gender-Rollen von »der schönen und wartenden Frau« und »dem starken und rettenden Mann«, weil sie eine unterdrückende Vorstellung von Verhaltensweisen und Liebe in unserem Alltag festschreiben. Und natürlich nervt es mich, wenn ich gesagt bekomme, dass ich unbedingt an diesem einen Tag im Jahr Menschen in meinem Leben beweisen muss, dass ich sie liebe. Am besten mit einem Strauß Schnittblumen. Dass sich Menschen voller Freude verwesendes Zeug (= Schnittblumen) auf den Tisch stellen und auch noch mit Begeisterung den stetigen Verfall bestaunen, ist mir eh unklar. Mal ganz davon abgesehen, dass ein Liebesbeweis an Freund*innen eh nur so halb zählen würde, da ich ja nur Menschen lieben darf, mit denen ich auch Sex haben will.

Lieber mehr Selbstsorge als Selbstfindung

Also lassen wir doch in diesem Jahr mal den ganzen normativen Kram hinter uns und lieben uns selbst am meisten! Anstatt von Januar bis Mitte Februar darüber zu reden, wie unbedingt die*der Richtige gefunden werden muss, kann ich mich lieber mal um mich selbst kümmern. Also Energie mit einer fast 100%-igen Erfolgsaussicht in die andere Richtung gelenkt .

Das klingt zunächst auch nicht unbedingt neu, sondern eher nach einer Reise zu mir Selbst in der Schiene von »Eat.Pray.Love« (bitte nicht!). Da ich eh der Meinung bin, dass ich mein wahres Ich nie wirklich finden kann, überlege ich lieber, wie meiner unbestimmten Masse an Existenz etwas Gutes getan werden kann. Und das ist gar nicht so leicht.

Am Anfang fällt mir nichts ein. Sicher, weil ich alles über_lebensnotwendige und noch mehr um mich herum habe. Doch sicherlich auch, weil mir diese Frage viel zu selten gestellt wird. Und ich mich das noch viel seltener frage. Bei einem selbstsorgenden Lieb-dich-selbst geht es um Wertschätzung mir gegenüber und was gerade meine Bedürfnisse sind. Wann ich mich das letzte Mal gelobt habe oder mir eingestanden habe, dass jetzt etwas gut gelaufen ist, fällt mir nicht ein. Obwohl ich gerade in den letzten Tage Dinge geschafft habe, die mit viel Anstrengung gut gelaufen sind. Vielleicht sogar sehr gut. Vielleicht sogar richtig, richtig gut. Doch genau dieses Zögern, sich nicht selbst auch mal loben zu können, ist das Problem. Denn in der leistungsorientierten Außenwelt ist das Innehalten, Durchatmen und Genießen nicht vorgesehen. Schließlich muss ich doch noch das verbessern und dies erreichen.

Wesen mit Schleife um den Bauch

Halten wir im Selbst_Optimierungs_Streben einmal kurz an und fragen uns, was wir jetzt zur Belohnung wollen. Und das kann zunächst erstmal alles sein. Ein leckeres Abendessen mit viel zu viel Fett, zwölf Stunden lang die neue Staffel der Lieblingsserie durchsuchten oder einfach für einen Tag raus aus dem Alltag. Je mehr gedankliche Grenzen des Alltags dabei gesprengt werden, desto besser! Ein kleiner Trick: Wir fragen uns nicht, warum wir jetzt das Schokoladeneis wollen, sondern warum wir es nicht schon längst haben. Das hat etwas damit zu tun, ersten Impulsen einen Raum zu geben und sie nicht zu unterdrücken. Ob ich ihnen dann auch nachgebe, das ist der zweite Schritt, mit dem ich schaue, wie ich mein Bedürfnis in meine Realität einbaue, damit ich nicht hemmungslos und grenzüberschreitend mein Verlangen durchdrücke. Die Kunst ist es, für die kleinen widerständigen Belohnungen im Alltag einen Platz zu finden. Mit dieser Balance schaffe ich Möglichkeiten, mich selbst zu belohnen und verstärkt darauf zu achten, wo die Grenzen meiner Funktionsfähigkeit liegen.

Das geht eher Schritt für Schritt und ist meist mit einem »Nein« verbunden, einer kleinen oder großen Absage an einige der Erwartungen, die ständig von außen an uns heran getragen werden. Viele davon haben wir schon verinnerlicht – klassisches Beispiel: Wie unser Körper zu sein hat und was wir daran noch alles verbessern können. Das »warum nicht« hilft uns dabei, unsere Grenzen im Kopf auf den Prüfstand zu stellen. Dann können wir eher herausfinden, welche der Beschränkungen von anderen und welche von uns kommen. Und welche davon überhaupt nötig sind. Vielleicht stellen wir dabei fest, dass unsere eigenen Bedürfnisse vielfältiger sind, als uns Kapitalismus und Heterosexismus glauben lassen.

Wesen mit Schokolade in der Hand.

Für mehr Schokoeis in meinem Bett

Und damit sind wir beim zentralen Punkt: nicht alles sich selbst verbieten, sondern viel mehr darauf achten, was ich brauche. Mit dem bewussten Umgang meiner Bedürfnisse merke ich besser, wo meine Lücken und fehlende Ressourcen sind. Wenn ich das weiß, kann ich auch gestärkter in den Alltag gehen und mir gezielt suchen und einfordern, was für mich gerade notwendig ist. Ob ich das dann auch immer gleich kriegen kann, das ist dann eine ganz andere Geschichte.

Doch wir waren bei einem »bewussteren Leben«. Klingt auch schon wieder nach Kontrolle und Optimierungsstreben. Muss es aber nicht. Wenn bewusster leben für mich bedeutet, dass ich jetzt endlich mit dem Jahresvorsatz »mehr Sport machen« beginne – ok. Wenn es heißt, dass ich bei einem romantischen Essen zu zweit im Kerzenschein den scheidenden Schnittblumen zu sehne – meinetwegen. Und auch wenn es heißt, dass ich mehr Schokoladeneis im Bett esse, als meinem Magen und der Bettwäsche lieb ist – warum also nicht. Wenn ich auch am nächsten Morgen noch mit einem Lächeln an den kleinen Exzess zurück denke, dann war es sicher nicht ganz so verkehrt. Denn letztendlich muss ich mir zutrauen, zu wissen, was für mich gerade gut ist. Jetzt muss ich das »über die Strenge schlagen« noch zulassen und Zack, habe ich das ein oder andere wohltunende für mich getan. Das kann so individuell und situationsbedingt sein, wie meine Stimmung gerade ist. Doch genau das darf es auch!

Und vielleicht habe ich dabei eso-mäßig noch mehr über mich herausgefunden, auch wenn es nur mein Verlangen nach Schokoeis ist und schon beim »Eat.« aufhört.

Wesen mit Schokolade in der Hand.

Das Wesen mit der Schleife gibt es als passende Postkarte bei uns im Shop:

»Ich schenk dir was.«

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