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Ein Tag, ein Leben, eine ganze Welt 1000 600 WESENsBande
Virginia Woolf Aquarell-Portrait mit Beitragstitel.

Ein Tag, ein Leben, eine ganze Welt

[Werbung, unbezahlt, da Empfehlungen]

Virginia Woolf hat starke Worte und noch stärkere Emotionen

In der Kategorie #wesensagendinge wollen wir dir Personen näher bringen, die wir für ihre kreativen Arbeiten, ihren Aktivismus und ihr Engagement bewundern und lieben. Von einem Zitat ausgehend zeigen wir dir, warum uns diese Person inspiriert. Heute: Virginia Woolf.

»It is a thousand pities never to say what one feels.«

(frei übersetzt: »Es ist tausendfach zu bejammern, nicht zu sagen, was man fühlt.«)

Frühe Jahre und erste Rückschläge

Über Virginia Woolf ist unendlich viel geschrieben worden. Ihr Leben wurde von unzähligen Leuten in unzähligen Biographien rekonstruiert. Doch warum übt sie so eine große Faszination aus?

Adeline Virginia Stephen wurde am 25. Januar 1882 in London geboren. Ihre Familie gehörte zur intellektuellen oberen Mittelschicht. Der Vater selbst war Schriftsteller, Historiker und Bergsteiger. Die Familie lebte Patchwork pur. Beide Eltern waren bereits geschieden und Virginia wuchs mit sieben Geschwistern auf. Viele Biograph*innen deuten an, dass Virginia und ihre Schwestern von den älteren Halbbrüdern misshandelt und vergewaltigt wurden. Und als 1985 – Virginia ist gerade 13 Jahre alt –ihre Mutter stirbt, bricht die Tochter das erste Mal psychisch zusammen. 1904 stirbt der Vater an Krebs und es folgt der zweite Zusammenbruch. Rückwirkend wird Virginia Woolf als manisch-depressiv mit einer bipolaren Störung gelesen. Ihr ganzes Leben lang wird sie mit manischen Schaffensphasen, tiefen Depressionen, Realitätsverlust und schizophrenen Störungen zu kämpfen haben.

Alle Kinder der Familie genossen eine höchste akademische Bildung. Auch Virginia wurde zunächst privat zu Hause unterrichtet, bevor sie 3 Jahre die Mädchenschule des Kings College besuchte. In dieser Zeit kam sie intensiv mit Frauenrechtsbewegungen und feministischen Forderungen in Kontakt und begann erste Texte zu schreiben. Nach dem Tod des Vaters zog der Rest der Familie in den Londoner Stadtteil Bloomsbury. Hier sammelten die Geschwister junge Intellektuelle um sich und gründeten die Bloomsbury Group. In diesem Kreis wurde Kunst und Kultur besprochen und auch selbst produziert. Virginia war auch hier eine der wenigen Frauen, deren Meinung und Ansichten akzeptiert wurden.

Virginia Woolf Aquarell Portrait mit Zitat: »It's a thousend pitties never to say what one feels.«

Virginia Woolf Aquarell Portrait mit Zitat: »It’s a thousend pitties never to say what one feels.«

Schriftstellerin und Verlegerin

Nach einer längeren Anlaufphase heiratete sie 1912 Leonard Woolf und veröffentlichte 1915 ihren ersten Roman The Voyage Out. Zwei Jahre später gründete sie zusammen mit ihrem Mann den Verlag Hoghart Press, in dem sie ihre künftigen Texte verlegte.

»Mrs. Dalloway said she would buy the flowers herself.«

(aus Mrs. Dalloway; frei übersetzt: »Mrs. Dalloway sagte, sie werde die Blumen selber kaufen.«)

In den 1920er Jahre erzielte Virginia Woolf die größten literarischen Erfolge. 1922 und 1925 veröffentlichte sie ihre Schlüsselwerke Jacob’s Room und Mrs. Dalloway. Sie etablierte den inneren Monolog und den stream of consciousness (Bewussseinstrom) als Erzähltechniken in der Literatur und rückte das psychologische Bewusstsein ihrer Figuren in den Mittelpunkt. Der moderne Roman war geboren. In ihrer Erzählweise verband sie Perspektiven von innen und außen, Natur und Welt, Erinnerung und Gegenwart. Alles wurde zu einem Bewusstseinstrom verwoben, in dem Wahrnehmungen zusammen laufen und Einblick in die Innenwelt ihrer Figuren geben. Mit dem Hintergrund ihrer manisch-depressiven Phasen, lässt sich vermuten, dass sie ihre eigene Wahrnehmung, das Chaos ihres eigenen Innenlebens, als neue Form des Erzählens in ihren Büchern verarbeitete.

Eine Flut von Bewusstseinsströmen

Ihre Krankheit zwang sie mehrfach zu Behandlungen und aufs englische Land, um Abstand von den Sinneseindrücken der Großstadt zu bekommen. Die Woolfs kauften ein Anwesen in Sussex, wo sie immer längere Phasen verbrachten. Ab 1940 nahm Virginias Gesundheitszustand drastisch ab. Der Zweite Weltkrieg und die Angriffe auf London verschlimmerten eine langanhaltende depressive Phase und führten dazu, dass sie nicht mehr arbeiten und schreiben konnte. Am 25. Mai 1941 war Virginia Woolfs Leidensdruck so hoch, dass sie sich mit Steinen im Mantel im Fluss nahe ihres Hauses ertränkte.

»Books are the mirrors of the soul.«

(aus Between the Acts; frei übersetzt: »Bücher sind die Spiegel der Seelen.«)

Späte feministische Blüte

Heute zählt Virginia Woolf zu meistgelesenen Schriftsteller*innen des 20. Jahrhunderts und als eine der wichtigsten Autorinnen der englischen Literatur. Doch das war nicht immer so. Wie bei so vielen gelang ihr der große internationale Durchbruch erst nach dem Tod. In den 1970er Jahren holte die feministische Frauenbewegung die Schriften von Woolf wieder hervor und verbreitete zahlreiche feministische Zitate aus ihren Texten. Bis heute zählt Woolf als Basislektüre für Feminist*innen weltweit.

Und zeitgleich wird sich auch immer wieder an ihr gerieben. Denn auf der einen Seite ist sie für ihre Zeit radikal für Frauenrechte, gegen den Kolonialismus und überzeugte Pazifistin. Auf der anderen Seite bedient sie rassistische und anti-semitische Stereotype und Erzählungen. Sie war eindeutig finanziell und intellektuell privilegiert und spricht aus dieser Perspektive abwertend über Arbeiter*innen und finanziell Benachteiligte. Also eine wegweisende Positionierung für klassischen Feminismus und damit kein Wunder, dass Woolf gerade von der Frauenrechtsbewegung der 1970er Jahre wieder entdeckt wurde, die auch mehrheitlich weiß und akademisch war.

Roby liest im Sessel vor dem Bücherschrank.

Roby liest im Sessel vor dem Bücherschrank.

Wir lieben Virginia Woolf, weil …

Auch mit einer kritischen Perspektive auf Virginia Woolf spielt sie eine wichtige Rolle in der Literatur und der feministischen Bewegung. Sie revolutionierte das Erzählen, stellte ihre Figuren und deren Emotionen und Beweggründe in den Mittelpunkt und legte gleichzeitig patriarchale Strukturen offen. Sie galt als Vorbild für viele Schriftstellerinnen ihrer Zeit und ebnete den Weg für Frauen im Literaturbetrieb.

Doch wir lieben Virginia Woolf nicht nur für ihre Worte und starken Frauenrollen, sondern auch für ihre Kraft und ihren Lebenswillen. Immer wieder fand sie die Stärke, manische und depressive Phasen zu überstehen und weiter zu schreiben. Schreiben nicht als Arbeit, sondern aus Ausdruck und Umgang mit dem eigenen Erleben. Sie behauptete ihren Platz in der Gesellschaft, auch wenn sie als psychisch-kranke und unzurechnungsfähige Frau galt. Um das zu können, muss frau nach den eigenen Regeln leben. Und die Freiheiten erkämpfte sie sich immer wieder. Lehnte sich mit Affären mit anderen Frauen gegen starre heteronormative Beziehungsnormen auf, verlegte zusammen mit ihrem Mann ihre eigenen Bücher und wehrte sich gegen ein Leben in geschlossener Psychiatrie. Allein dafür verdient sie unseren ganzen Respekt!

Wir empfehlen dir …

Du hast Lust bekommen, mehr über Virginia Woolf zu erfahren? Dann haben wir hier ein paar Empfehlungen für dich gesammelt:

  • Wer in die Welt der Virginia Woolf eintaucht, kommt an ihrem Werk Mrs. Dalloway (1925) nicht vorbei. In dem Roman geht es um Mrs Dalloway, die mit ihrer Rolle als Frau und Gastgeberin hardert. Der Roman begleitet sie und ihr Innenleben einen Tag lang. Virginia Woolfs Intention war, durch einen Tag, eine ganze Gefühlswelt und ein ganzes Leben ihrer Figur zu erzählen.
  • Der ganz besondere Tipp geht noch einen Schritt weiter. Denn 1998 erschien Michael Cunninghams Roman The Hours (Die Stunden), in dem drei Frauen zu drei unterschiedlichen Zeiten hinweg scheinbar duch Mrs. Dalloway verbunden sind. Cunningham gewann dafür den Pulizer-Preis und der Roman wurde 2002 Oscar-prämiert verfilmt mit Meryl Streep, Julianne Moore und Nicole Kidman in den Hauptrollen.
  • Du willst frühe feministische Streitschrift? Kein Problem, dann solltest du unbedingt A Room of one’s own (Ein eigenes Zimmer) (1929) von Virginia Woolf lesen. In diesem Essay geht sie der Frage auf den Grund, warum es keine Frauen im Literaturbetrieb gibt und entwirft daran eine Genealogie von sexistischer Unterdrückung.

Warum liebst du Virginia Woolf?

Verrate es uns doch in den Kommentaren.

Aquarell Portrait von Virginia Woolf mit Beitragstitel.

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